Der Schnitzer, und das Geschnitzte
Lange Linien, scharfe Schnitte
Aus der Werkstatt in Hornindal im Nordfjord, in der Gemeinde Volda an der norwegischen Westküste, reichen eine edle Kunst und ein ehrwürdiges Handwerk hinaus in die ganze Welt: Barock und Rokoko, Akanthus und Drache, figürliche Arbeit, Relief und Porträt. Alles von Hand gezeichnet und von Hand geschnitzt — so entsteht das Beste.
Rolf Taraldset
Rolf lernte das Handwerk von seinem Vater Bjarne, selbst ein professioneller Schnitzer, der bei dem in Oberammergau ausgebildeten Daniel Hagerup in die Lehre gegangen war. Die Ausbildung wurde an der Hjerleid-Schnitzschule in Dovre absolviert, dem wichtigsten Sitz des Handwerks im Land, mit Gesellen- und Meisterbrief.
Der gesamte Prozess geschieht von Hand in der Schnitzwerkstatt auf dem Waldgrundstück in Taraldset in Hornindal, vom Entwurf und der Wahl des Rohlings bis zum Schnitzen und der endgültigen Oberfläche. Das Ziel liegt näher am Echten als an der Zierde: ein Relief, das einen hineinzieht, eine Figur, die aus dem Holz zu treten scheint.
Über das Schaffen hinaus ist der rote Faden durch alles das Weitergeben. Rund fünfzehnhundert Schüler haben über die Jahre an verschiedenen Schnitzkursen teilgenommen, weit verstreut in Norwegen und Skandinavien und im Ausland in den USA, unter anderem an Vesterheim, dem norwegisch-amerikanischen Museum in Decorah, Iowa. Rolf prägt auch das Fach selbst mit, als Leiter der Prüfungskommission und Mitglied der nationalen Lehrplanausschüsse.
Die Arbeit umspannt alle klassischen Stilrichtungen: Barock, Rokoko, Akanthus, Drachenstil; Porträt, Relief und Skulptur. Das Klassische ist das eigentliche Fundament des Fachs: Es muss in den Händen und im Rückgrat sitzen — und wenn es das tut, geht dieses Fundament mühelos in alles über, worauf es angewandt wird.